Die Geotechnik befindet sich in einem richtungsweisenden Prozess: Digitale Werkzeuge und Methoden ergänzen und erweitern bewährte Vorgehensweisen bei der Erkundung und Geotechnischen Beurteilung.
Der Vortrag zeigt die Erstellung und Plausibilisierung eines BIM-Fachmodells Baugrund, beginnend mit historischen Aufschlussdaten. Anhand eines Praxisbeispiels wird erläutert, wie das Fachmodell Baugrund für die geotechnische Ersteinschätzung und weiterführend als Grundlage für ein Erkundungskonzept verwendet werden kann. Ergänzt mit aktuellen geotechnischen Erkundungsdaten wird das Fachmodell strukturiert aufbereitet, damit zu einem konsistenten Fachmodell überführt und mit den Anforderungen anderer Fachdisziplinen abgestimmt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der fachlichen Plausibilisierung: Nur wenn Schichtenmodell, Attribute und Interpretationen transparent geprüft, dokumentiert und auf Widersprüche untersucht werden, entsteht ein Modell mit echtem Mehrwert für Planung und Ausführung.
Als weiterer Schwerpunkt wird dargestellt, wie sich mit Einbindung des Geographischen Informationssystems (GIS), anhand verfügbarer öffentlicher Daten, bim-fähige Grundlagen erstellt werden können, die anschließend mit klassischen Erfassungsmethoden wie direkte und indirekte Baugrundaufschlüsse (z.B. Schichtenverzeichnisse, sonstige Feldprotokolle) ergänzen lassen. Im Fokus steht dabei nicht der Ersatz analoger Verfahren, sondern die belastbare Verknüpfung beider Welten zur Verbesserung von Datenqualität, Nachvollziehbarkeit, Vergleichbarkeit und Verfügbarkeit geotechnischer Informationen, und das insbesondere im Zuge sehr früher Planungsphasen.
Darauf aufbauend wird die Anwendung des BIM-Modells für die geotechnische Beurteilung dargestellt. Der Vortrag vermittelt anhand eines Praxisbeispiels aus der Schieneninfrastruktur, wie das digitale Baugrundmodell zur räumlichen Interpretation und für Gründungsempfehlungen auf Basis der erdbautechnischen Anforderungen aus Regelwerken eingesetzt werden kann. Es wird gezeigt, wie BIM in der Geotechnik als Arbeits- und Kommunikationsinstrument genutzt werden kann, um Entscheidungen fundierter Prozesse effizienter und Projektrisiken beherrschbarer zu machen.