Conference Program
Thursday, 12th November 2026
Session 1
Datenerfassung: Verfahren zur Erfassung und Qualitätssicherung geotechnischer Daten
Thursday, 12th November 2026
09:00 - 12:10 Uhr
Keynote: Digitale Transformation in der Geotechnik. Vom Messwert zum Mehrwert in Echtzeit?
Dauber, Marcus
BAUER Spezialtiefbau GmbH
Die Geotechnik entwickelt sich zum „Data-Driven Business“. Die Datenspeicherung in Digitalen Zwillingen ist auf Baustellen dieser Welt im Einsatz. Mit digitalen Schnittstellen werden Daten zwischen Baugerätehersteller und Baufirmen ausgetauscht. Wo steht der Spezialtiefbau heute? Welche Anwendungen haben sich etabliert? Wie automatisiert sind Prozesse heute schon abgebildet? Wie weit sind wir von der „Live Baustelle“ entfernt und benötigen wir noch Ingenieure oder ist der „Human in the Loop“ bald obsolet?
Sensorbasiertes Echtzeit-Monitoring der Fallgewichtsverdichtung
Löwe, Benedict (1); Oertel, Felix (1); Fock, Vanessa (1); Thiele, Ralf (1); Tezenas du Montcel, Florian (2); Kanty, Pjotr (2)
1: HTWK Leipzig, Deutschland; 2: Menard, Frankreich
Die Fallgewichtsverdichtung ist ein nachhaltiges Verfahren zur großflächigen Baugrundverbesserung, besonders bei gemischt- und grobkörnigen Böden, da sie ohne CO₂-intensive Materialien wie Zement auskommt. In Deutschland wird sie vor allem zur Sanierung ehemaliger Tagebaugebiete eingesetzt.
Trotz jahrzehntelanger Praxis und Forschung bleibt die Bewertung des Verdichtungserfolgs eine Herausforderung. Bisherige Methoden wie Vorher-Nachher-Vergleiche punktueller Sondierungen oder manuelle geodätische Messungen bieten nur begrenzte räumliche Auflösung und sind kostspielig.
Ein neu entwickeltes digitales Echtzeit-Messsystem überwindet diese Limitierungen: Ein am Trägergerät montierter Laserscanner erfasst nach jedem Schlag Hebungs- und Setzungsvolumina, während eine im Fallgewicht integrierte inertiale Messeinheit (IMU) die Kinematik (Fallhöhe, Aufprallgeschwindigkeit) rekonstruiert. Daraus werden die verfügbare kinetische Energie und deren Umwandlung präzise bestimmt. Feldversuche bestätigten die Praxistauglichkeit.
Das System ermöglicht eine vollständige Digitalisierung der Messungen, steigert die Objektivität und Effizienz der Qualitätskontrolle und liefert Erkenntnisse zur Energieumwandlung während des Aufpralls. In Kombination mit konventionellen In-situ-Versuchen erlaubt es eine hochauflösende digitale Kartierung und bedarfsgerechte Steuerung des Verdichtungsprozesses. Dies optimiert den Energieeintrag und markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer datengetriebenen Fallgewichtsverdichtung.
Continuous rock mass assessment using machine vision and the potential for adaptive segmental tunnel linings
Banjan, Ivo; Moore, James
Ed. Züblin AG, Deutschland
In tunnelling, intervals of jointed rock are associated with design and construction risk. Ground assessments are required for design validation and risk mitigation. In shielded drives, continuous assessments rely on interpretation of machine data. However, isolating the influence of rock mass structure is not straightforward, and ground-machine interactions can hinder machine data based approaches precisely within weakened intervals. Observation of blocks in TBM excavated material in jointed conditions motivated the investigation of a block quantification approach to measure the rock mass structure. We introduce the Excavated Block Index (EBI), a volume-normalised count of joint-augmented blocks imaged on the conveyor belt. Blocks are isolated from rock chips using a size threshold. A standard CNN-based object detector was validated to automate the method. The index basis and requirements for dataset preparation, model training, processing and model validation are designed to be transferrable to live projects.
Data was gathered at the Mineral Transport System (MTS) tunnel in Northern England in variable conditions. The EBI provides highly contrasting values in heavily jointed (>100 detections per m 3 ) versus intact conditions. Initial relations to jointing parameters are presented. In addition to characteristic values per TBM advance, analysis of short-term detection data is promising for assessing attributes of encountered joints. Since blocks form at predetermined positions of favourable joint intersections, the EBI is less sensitive to machine design, operation or ground behaviour than machine-based indices.
At the MTS tunnel the data guided the redesign of an adjacent structure and derisked a TBM refurbishment.
Digitale Prozessintegration bei Kompensationsinjektionen im urbanen Tunnelbau – Anwendung am Projekt U2 Verlängerung Wien
Özkoral, Florian (1); Perl, Christian (1); Maroschek, Philipp (2)
1: Züblin Spezialtiefbau GmbH, Deutschland; 2: eguana GmbH
Im innerstädtischen Tunnelbau stellen komplexe Baugrundverhältnisse und sensible Bestandsbebauung hohe Anforderungen an Planung, Ausführung und Überwachung von Kompensationsinjektionen. Am Projekt U-Bahn-Linie U2 in Wien wurde ein durchgängiger digitaler Ansatz entwickelt, um die Vielzahl an Einflussparametern systematisch zu erfassen, auszuwerten und für die Bauausführung nutzbar zu machen.
Zentral ist die kontinuierliche Erfassung großer Datenmengen aus Monitoring-Systemen (z. B. Schlauchwaagen, Tachymeter) sowie aus Bohr- und Injektionsprozessen. Diese werden automatisiert in ein cloudbasiertes Datenmanagementsystem überführt, verarbeitet, verknüpft und in Echtzeit visualisiert. So entsteht eine integrierte Datengrundlage, die das Baugeschehen konsistent abbildet.
Die digitale Integration entlang der gesamten Prozesskette verknüpft geotechnische Messdaten mit Ausführungsparametern und Planungsgrößen. Definierte Warn-, Eingreif- und Grenzwerte ermöglichen eine adaptive Steuerung der Injektionsmaßnahmen, sodass direkt auf Änderungen im Baugrund- oder Bauwerksverhalten reagiert werden kann.
Im Vergleich zu manuellen Prozessen steigert die digitale Arbeitsweise Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Entscheidungsqualität. Gleichzeitig verbessert das zentrale Datenmanagement Qualitätssicherung, Dokumentation und Bauablauf.
Die strukturierte Datengrundlage bildet die Basis für KI-Modelle, die automatisierte Analysen und Handlungsempfehlungen generieren. Das Projekt zeigt damit das Potenzial digital integrierter Systeme für zukünftige Anwendungen im Spezialtiefbau.
Drucksondieren - die Bodenuntersuchungsmethode für die digitale Zukunft der Geeotechnik
Verbeek, Gerald
Royal Eijkelkamp, USA
Der Ablauf einer Drucksondierung ist vollständig standardisiert; zudem wird vor und nach jeder einzelnen Sondierung eine Kalibrierungsprüfung der Druckspitze durchgeführt. Dies gewährleistet, dass der Datenerfassungsprozess bei diesem Bodenuntersuchungsverfahren vollkommen transparent ist. Wird darüber hinaus eine digitale Druckspitze eingesetzt, werden die tatsächlichen Kalibrierungsdaten automatisch angewendet, wodurch sichergestellt ist, dass zuverlässige Bodenuntersuchungsdaten digital erfasst werden. Dies macht das Drucksondierverfahren – insbesondere im Hinblick auf die digitale Zukunft der Geotechnik – ideal für Bodenuntersuchungen geeignet.
Im Rahmen der Präsentation wird das Drucksondierverfahren beschrieben; zudem wird veranschaulicht, wie die Messdaten so gespeichert werden, dass sie auch künftig eindeutig nachvollziehbar sind. Darüber hinaus wird das CPT-Verfahren anderen Bodenuntersuchungstechniken gegenübergestellt, um dessen Vorteile hinsichtlich Qualität, Güte und Konsistenz der Messdaten aufzuzeigen.
Abschließend wird die Präsentation veranschaulichen, wie der Einsatz von Modulen, die hinter der Druckspitze installiert wvrden, den Datenerfassungsprozess während einer Drucksondierung weiter optimieren kann.
Grundwasserwiederanstieg, Sackungen, SSPV: Langzeitbeobachtungen auf einer Lausitzer Innenkippe
Schirmer, Anja (1); Sorgatz, Julia (1); Rosenzweig, Tino (1); Walko, Manja (2); Kudla, Wolfgang (1); Nagel, Thomas (1)
1: TU Bergakademie Freiberg; 2: LMBV
tba.
Session 2
Datenanalyse: Verfahren zur datenbasierten Interpretation geotechnischer Daten
Thursday, 12th November 2026
13:45 - 17:10 Uhr
Keynote: Webbasierte KI für die Echtzeitvorhersage der Korngrößenverteilung
Soranzo, Enrico
BOKU Wien, Österreich
KI-Anwendungen finden zunehmend Eingang in die Geotechnik Die Keynote präsentiert eine webbasierte Lösung zur Echtzeitvorhersage der Korngrößenverteilung mineralischer Böden aus standardisierten Smartphone-Bildern. Die Vorhersagegenauigkeit liegt bei etwa 90%. Das System ist geräteunabhängig. Das Modell ist verfügbar auf der Hugging Face-Plattform. Die Fassung bietet ein Upgrade des Backbone-Modells, eine verbesserte Training-Pipeline, die automatische Gerätedetektion mit Schätzung der Pixeldichte sowie ein PDF-Bericht.
Anwendung des Robertson-Diagramms für die Klassifikation norddeutscher Böden mittels Drucksondierungen
Meißner, Henrik (1); Ghassoun, Somar (2); Güdel, Niyazi (2); Achmus, Martin (1)
1: Leibniz Universität Hannover, Deutschland; 2: Fugro Germany Land GmbH, Deutschland
Die Drucksondierung (CPT) stellt ein etabliertes in-situ-Verfahren zur hochauflösenden Erkundung des Baugrunds dar und wird international häufig zur Ableitung geotechnischer Kennwerte sowie zur Bodenklassifikation eingesetzt. Ein zentrales Auswertungsinstrument bildet dabei das spannungsnormalisierte Soil Behaviour Type-Diagramm (SBTn) nach Robertson. Dessen Anwendbarkeit für norddeutsche Baugrundverhältnisse ist jedoch aufgrund der quartär geprägten, häufig glazial beeinflussten Böden nicht uneingeschränkt gegeben. Ziel dieser Studie war die systematische Untersuchung der Übertragbarkeit des Robertson-SBTn-Diagramms auf norddeutsche Böden. Die Grundlage bildet ein umfangreicher Datensatz aus Drucksondierungen und zugehörigen Bohrprofilen aus mehreren geotechnischen Projekten in Norddeutschland. Durch die gezielte Verknüpfung kontinuierlicher CPT-Messdaten mit schichtweisen Bodenansprachen aus Bohrprofilen wird eine belastbare Referenz zur Bewertung der CPT-basierten Bodenklassifikation geschaffen. Die Auswertung mittels eines Python Codes zeigt, dass das Robertson-Diagramm für klassische Bodenarten wie Sande sowie weiche bis mittelfeste Tone überwiegend konsistente Klassifikationsergebnisse liefert, d. h. die zugeordneten SBTn-Zonen stimmen weitgehend mit der Bodenansprache aus den Bohrprofilen überein. Deutlich größere Streuungen treten hingegen bei glazial geprägten Böden, insbesondere bei Geschiebemergel sowie bei Übergangs- und Mischböden, auf. Diese Bodenarten weisen aufgrund ihrer heterogenen Kornzusammensetzung, überkonsolidierten Spannungszustände und strukturellen Eigenschaften kein eindeutig undrainiertes Eindringverhalten auf, wodurch klassische CPT-basierte Korrelationen nur eingeschränkt anwendbar sind. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die CPT in Norddeutschland ein leistungsfähiges Erkundungsverfahren darstellt, dessen Interpretation jedoch eine fundierte regionale und geologische Einordnung erfordert. Mit zunehmender Datendichte, wachsender Erfahrung in der CPT-Interpretation sowie einer systematischen, datengetriebenen Auswertung besteht das Potenzial, Drucksondierungen künftig in geeigneten geologischen Situationen verstärkt als primäres Erkundungsinstrument einzusetzen und den Umfang direkter Aufschlüsse gezielt zu reduzieren.
GMM-basiertes Clustering zur automatisierten Ableitung probabilistischer Stratifizierungsszenarien aus CPT-Daten
Ebener, Andra; Lesny, Kerstin
Universität Siegen, Deutschland
Eine zuverlässige Beschreibung der Baugrundschichtung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Bemessung geotechnischer Bauwerke. Das klassische Vorgehen basiert auf der visuellen Identifikation von Schichtgrenzen anhand von Bohrkernen. Das daraus abgeleitete Bohrprofil dient als Grundlage für die Interpretation von Sondierergebnissen in Bezug auf Baugrundschichtung und angetroffene Bodenarten. Im Falle einer Drucksondierung (CPT) kann die Schichteinteilung auch rein empirisch nach Robertson (2010) erfolgen, wonach die Sondierergebnisse in den so genannten Soil Type Index Ic überführt und diesem definierte Bodenarten zugeordnet werden. Unabhängig von der angewandten Methodik bleibt die Interpretation jedoch in beiden Fällen deterministisch. Dabei wird vernachlässigt, dass die visuelle Schichteneinteilung oft subjektiv geprägt ist und rein empirische ermittelte Schichtgrenzen die statistische Streuung der Messdaten sowie die daraus resultierenden Unsicherheiten in der Schichtenzuordnung unberücksichtigt lassen.
In diesem Beitrag wird ein probabilistisches Verfahren vorgestellt, mit dem sich diese Klassifikationsunsicherheiten explizit quantifizieren lassen. Der Ansatz nutzt Gaussian Mixture Models (GMM), um CPT-Daten automatisiert zu klassifizieren. Im Gegensatz zu starren Klassifikationsgrenzen liefert das Clustering Zugehörigkeitswahrscheinlichkeiten für verschiedene Bodenklassen. Mittels Inverse Transformation Sampling (ITS) werden daraus Ensembles plausibler Baugrundschichtungen generiert.
Die Methodik wird anhand eines Datensatzes, der jeweils vier CPT-Messungen und korrespondierende Bohrprofile enthält, demonstriert. Durch direkten Vergleich der generierten Szenarien mit den konventionellen Aufschlüssen wird gezeigt, wie der GMM-Ansatz die Identifizierung kritischer Übergangszonen unterstützt und Auswertungsprozesse automatisieren kann. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass erst die systematische Quantifizierung von Klassifikationsunsicherheiten deren maßgeblichen Einfluss auf die geotechnische Bemessung aufzeigt. Wenn diese Unschärfen über mögliche Stratifizierungsszenarien in die Analyse einfließen, lässt sich die Versagenswahrscheinlichkeit bestimmen und das Baugrundrisiko reduzieren.
Warum lassen sich keine Schichtgrenzen in 3D Baugrundmodellen festlegen und wie kann trotzdem eine Modellierung gelingen?
Hylla, Ingo
Geonova, Deutschland
Statistik beruht auf der Auswertung von Daten. Bei Baugrundformulierungen resultieren diese aus punktuellen Aufschlüssen. Stehen genügend Aufschlüsse zur Verfügung, lassen sich z.B.Variogramme erstellen, welche die statistisch zu erwartenden Abweichungen mit steigendem Abstand zur Sondierung beschreiben.
Die Güte der Abschätzung hängt von der Anzahl der Daten ab und hierin besteht bei Standardbauvorhaben mit üblicherweise unter 5, auf jeden Fall aber für statische Methoden notwendige mindestens 30 Datensätzen, die Ursache, dass bisher alle Versuche, eine einfach Lösung, das beste zu benutzende Interpolationsverfahren oder die Nutzung von 3D-Modellen in der Praxis zu nutzen, scheitern.
In dem Vortrag werden Lösungsansätze gezeigt, aus den vorhandenen Daten und dem Fachwissen der Genese der Baugrundschichten 3 und 2 dimensionale Berechnungsmodelle zu erstellen.
Es wird gezeigt, dass es nicht das eine Baugrundmodell geben kann, sondern ausschließlich auf der jeweils sicheren Seite liegende Modelle, für jede geotechnische Fragestellung somit ein anders 3D-Modell zu definieren ist und wie dies mit vertretbarem Aufwand gelingen kann.
Im Ergebnis sind bereichsweise gültige Berechnungsprofile mit jeweils horizontalen Schichtgrenzen und eindeutigen Kennwerten nach DIN EN 4020 A 7.3.1 zu erzeugen, so dass Standardlösungen der Geotechnik angewendet werden können.
Estimation of Subsurface Stiffness from Groundwater-Induced Surface Uplift Using Kalman Inversion
Kwok, Ching Yin (1); Sorgatz, Julia (1); Ibadullaev, Konstantin (2); Sprungk, Björn (2); Nagel, Thomas (1)
1: Chair of Soil Mechanics and Foundation Engineering, Institute of Geotechnics, TU Bergakademie Freiberg, Germany;
2: Institute of Stochastics, TU Bergakademie Freiberg, Germany
Subsurface characterization of soil stiffness is traditionally performed using in-situ methods such as cone penetration testing (CPT), which provide accurate but spatially limited point measurements. This study investigates, as a proof of concept, whether, in post-mining environments with pronounced groundwater rebound, observations of ground displacement and groundwater table variations can be used to infer regional subsurface stiffness. Recent advances in remote sensing, such as Persistent Scatterer Interferometry (PSI), highlight the potential availability of spatially distributed surface deformation data to support such analyses.
With elasticity and effective stress theories, surface uplift can be related to subsurface stiffness through groundwater level rise. While this relationship suggests that stiffness may be inferred from uplift measurements, deterministic inversion is highly sensitive to noise. Even small measurement uncertainties can lead to large errors, making direct inversion impractical.
To address this limitation, a synthetic study is conducted. A reference stiffness profile is generated using a depth-dependent trend combined with spatial variability described by an exponential autocorrelation function and lognormally distributed randomness. The corresponding surface uplift is computed, and noise is added to simulate measurement uncertainty. The noisy uplift data are then used to estimate stiffness using both deterministic inversion and Kalman Inversion.
The results show that Kalman Inversion provides significantly improved stability and noise tolerance compared to deterministic approaches, yielding feasible stiffness estimates that closely capture the true profile and demonstrate its potential for regional subsurface characterization.
Kleine, spezialisierte neuronale Netze für die teilautomatisierte Auswertung geophysikalischer Messdaten
Ojus, Falk
Fallbeispiel: Hyperbeldetektion in Bodenradar-Daten
Bodenradar (Ground Penetrating Radar, GPR) liefert großflächige, hochaufgelöste Informationen über den Untergrund und wird in der Baugrunderkundung zunehmend eingesetzt. Der Flaschenhals ist nicht die Messung, sondern die Auswertung: Die Interpretation der Radargramme ist aufwendig, subjektiv und erfolgt bislang überwiegend nachgelagert im Büro. Mit einem KI-gestützten Verfahren auf Basis eines kompakten Deep-Learning-Modells lässt sich dieser Schritt so weit beschleunigen, dass eine Echtzeit-Auswertung direkt im Feld möglich wird – ein vollständiges Radargramm wird in wenigen Minuten auf Consumer-Hardware prozessiert.
An der Detektion von Diffraktionshyperbeln – bogenförmigen Signaturen punktförmiger Reflektoren, aus denen sich die elektromagnetische Ausbreitungsgeschwindigkeit und die räumliche Verteilung von Objekten im Baugrund ableiten lassen – habe ich untersucht, wie sich ein repetitiver Auswertungsschritt mit einem kleinen, spezialisierten neuronalen Netz teilautomatisieren lässt. Der Ansatz formuliert die Detektion als semantische Segmentierung auf Basis eines U-Nets mit Attention-Mechanismen, eingebettet in ein Wasserstein-GAN-Framework.
Im Mittelpunkt des Vortrags stehen drei methodische Entscheidungen, bei denen physikalisches Grundlagenverständnis gezielt genutzt wurde, um das Training zu vereinfachen und die Ergebnisse zu verbessern: die Ableitung der Ground Truth aus Amplituden der Kirchhoff-Migration statt aus rein manueller Annotation, gezielte Morphing-Strategien zur Datenaugmentierung für ein datensparsames Training und eine konsistenzbasierte Validierung über benachbarte Antennenkanäle (Cross-Channel-Validierung), die die Modellausgaben anhand eines physikalischen Kriteriums absichert.
Das Verfahren ist als Vorauswahl- und Priorisierungswerkzeug in einem teilautomatisierten Auswertungs-Workflow konzipiert und zeigt, wie sich durch die gezielte Einbindung physikalischen Grundlagenverständnisses der Trainingsaufwand reduzieren und die Qualität der Ergebnisse verbessern lässt.
Hybrid-KI-basiertes Monitoring zur Bestimmung der Sohlauskolkung an Kaimauern unter Tidebeanspruchung
Cerek, Kacper; Dao, Duy Anh; Hadjiloo, Elnaz
Hamburg University of Technology, Deutschland
Die dauerhafte Standsicherheit von Kaimauern in Tidehäfen wird maßgeblich durch die Interaktion komplexer Prozesse wie Verformungsakkumulation, Korrosion und Sohlauskolkungen bestimmt. Während die messtechnische Erfassung der Kolktiefe durch Drucksondierungen operativ aufwendig und kostenintensiv ist, stehen hochauflösende numerische Verfahren (FEM) einer effizienten Echtzeit-Zustandsbewertung im Rahmen des Structural Health Monitorings (SHM) aufgrund der Rechenintensität entgegen.
Dieser Beitrag stellt ein innovatives Surrogate-Modell zur prädiktiven Bestimmung der Kolktiefe vor. Die methodische Grundlage bildet ein hybrides neuronales Netz (LSTM-FNN-Architektur). Als Eingangsgrößen dienen die kumulative Anzahl der Tidezyklen sowie die messtechnisch erfassbare Wandverformungsfigur. Zur Generierung einer robusten Datenbasis wurde ein FE-Modell unter Verwendung eines High-Cycle-Accumulation (HCA) Stoffmodells eingesetzt, welches die über Jahrzehnte akkumulierten Verformungen infolge zyklischer Belastungen physikalisch konsistent abbildet. Mittels eines stochastischen Frameworks (Latin Hypercube Sampling) wurden hierbei realistische Bandbreiten der Kolkdynamik simuliert.
Das entwickelte Ersatzmodell liefert nicht nur präzise Prognosen der Kolktiefe, sondern quantifiziert zudem zeitabhängige Prognoseunsicherheiten (Certainty Ranges). Die Validierung erfolgte durch den Abgleich mit Feldmessdaten und zeigt eine gute Übereinstimmung. Der vorgestellte Ansatz ermöglicht eine effziente, datengestützte Zustandsprüfung und liefert damit ein essentielles Werkzeug für die vorausschauende Instandhaltungsstrategie kritischer maritimer Infrastrukturen.
Friday, 13th November 2026
Session 3
Best Practice: Best Practice: Digitale Werkzeuge in der Planung, Ausführung & Überwachung
Friday, 13th November 2026
09:00 - 12:50 Uhr
Keynote Vom BIM zum Digitalen Zwilling – Wie die Digitalisierung Nutzen für die Geotechnik bietet
Henke, Sascha
Helmut Schmidt Universität Hamburg, Deutschland
Die Digitalisierung hat zu erheblichen Veränderungen im Planungs- und Bauprozess geführt. Für die Geotechnik ergeben sich dabei spezifische Besonderheiten. Das Fachmodell Baugrund basiert auf punktuellen, interpretierten Daten und weist somit inhärente Unsicherheiten auf. Folglich muss eine bestmögliche Näherung für die weitere Nutzung erreicht werden. Ziel ist es, neben dem aktuellen Status quo der Digitalisierung verschiedene Ideen und Impulse für zukünftige Entwicklungen zu diskutieren.
Das Fachmodell Baugrund: BIM-gestützte Ersteinschätzungen und Gründungsempfehlungen
Lissner-Makowski, Emanuel; Delenk, Christian
Baugrund Dresden Ingenieurgesellschaft mbH, Deutschland
Die Geotechnik befindet sich in einem richtungsweisenden Prozess: Digitale Werkzeuge und Methoden ergänzen und erweitern bewährte Vorgehensweisen bei der Erkundung und Geotechnischen Beurteilung.
Der Vortrag zeigt die Erstellung und Plausibilisierung eines BIM-Fachmodells Baugrund, beginnend mit historischen Aufschlussdaten. Anhand eines Praxisbeispiels wird erläutert, wie das Fachmodell Baugrund für die geotechnische Ersteinschätzung und weiterführend als Grundlage für ein Erkundungskonzept verwendet werden kann. Ergänzt mit aktuellen geotechnischen Erkundungsdaten wird das Fachmodell strukturiert aufbereitet, damit zu einem konsistenten Fachmodell überführt und mit den Anforderungen anderer Fachdisziplinen abgestimmt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der fachlichen Plausibilisierung: Nur wenn Schichtenmodell, Attribute und Interpretationen transparent geprüft, dokumentiert und auf Widersprüche untersucht werden, entsteht ein Modell mit echtem Mehrwert für Planung und Ausführung.
Als weiterer Schwerpunkt wird dargestellt, wie sich mit Einbindung des Geographischen Informationssystems (GIS), anhand verfügbarer öffentlicher Daten, bim-fähige Grundlagen erstellt werden können, die anschließend mit klassischen Erfassungsmethoden wie direkte und indirekte Baugrundaufschlüsse (z.B. Schichtenverzeichnisse, sonstige Feldprotokolle) ergänzen lassen. Im Fokus steht dabei nicht der Ersatz analoger Verfahren, sondern die belastbare Verknüpfung beider Welten zur Verbesserung von Datenqualität, Nachvollziehbarkeit, Vergleichbarkeit und Verfügbarkeit geotechnischer Informationen, und das insbesondere im Zuge sehr früher Planungsphasen.
Darauf aufbauend wird die Anwendung des BIM-Modells für die geotechnische Beurteilung dargestellt. Der Vortrag vermittelt anhand eines Praxisbeispiels aus der Schieneninfrastruktur, wie das digitale Baugrundmodell zur räumlichen Interpretation und für Gründungsempfehlungen auf Basis der erdbautechnischen Anforderungen aus Regelwerken eingesetzt werden kann. Es wird gezeigt, wie BIM in der Geotechnik als Arbeits- und Kommunikationsinstrument genutzt werden kann, um Entscheidungen fundierter Prozesse effizienter und Projektrisiken beherrschbarer zu machen.
IFC-basierter digitaler Zwilling zur Ergebnisdarstellung der automatisierten Trassierung unterirdische Energietransfer-Infrastrukturen
Korsen, Fynn (1); Bartels, Niels (1); Budach, Christoph (1); Thienert, Christian (2); Klaproth, Christoph (2); Leismann, Frank (2); Gorka, Torsten (3); Eich, Jens (3); Passareck, Dirk (3); Seiler, Jens (4); Knödler, Timotheus (4)
1: Technische Hochschule Köln; 2: STUVA e. V.; 3: DMT GmbH & Co. KG; 4: SOCOTEC Ingenieure AG
Im Zuge der Digitalisierung im Bauwesen und der Anwendung digitaler Methoden gewinnt
die durchgängige Integration geotechnischer Informationen in modellbasierte
Planungsprozesse zunehmend an Bedeutung. Der Beitrag stellt einen IFC-basierten digitalen
Zwilling auf vor, in dem ein digitales Untergrundmodell mit einer datenbasierten,
multikriteriellen Trassenplanung für unterirdische Energietransfer-Infrastrukturen verknüpft
wird. Die Bewertung der planungsrelevanten Fachmodelle erfolgt über einen analytischen
Hierarchieprozess (AHP). Auf dieser Grundlage wird ein Routing-Algorithmus angewendet,
der unter Berücksichtigung gewichteter Parameter, etwa aus Bebauung, Untergrund und
Umwelt, verschiedene Trassenvarianten ermittelt. Das im Projekt erarbeitete
Baugrundmodell dient hierbei als exemplarische Grundlage für die modellbasierte und
teilautomatisierte Trassenplanung.
Der Workflow zur Integration der Parameter und Trassenverläufe zum digitalen Zwilling
basiert auf dem Austauschformat IFC. Die prototypische Umsetzung des digitalen Zwillings
verdeutlicht insbesondere die Herausforderung, heterogene Datenquellen aus
unterschiedlichen Fachdisziplinen konsistent und möglichst verlustfrei in das IFC-Schema zu
überführen. Hierbei stellen die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Teilmodellen
besondere Herausforderungen dar.
Das Ziel ist, durch den Einsatz eines IFC-basierten digitalen Zwillings die Effizienz,
Nachvollziehbarkeit und Nachhaltigkeit unterirdischer Energieinfrastrukturen über den
Lebenszyklus zu steigern.
Die Umsetzung des digitalen Zwillings ist Teil des Forschungsprojekts „DARTS –
Datenbasiertes Routing von Trassen für unterirdische Energietransfer-Infrastrukturen“,
gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
im Programm „Geoforschung für Nachhaltigkeit (GEO:N)“.
Anwendung probabilistischer Untergrundmodelle für die Planung am Beispiel eines innerstädtischen Tunnelbauprojekts im Münchner Baugrund
Lypp, Benedikt (1); Cudmani, Roberto (1); Wang, Tiancheng (1); Schneider, Marcus (2)
1: Technische Universität München, Deutschland; 2: DB InfraGO AG, München
1 Einführung
In München wird derzeit der Ostabschnitt der 2. S-Bahn-Stammstrecke vom Marienhof zum Leuchtenbergring geplant. Für die Baumaßnahme wurde vom Zentrum Geotechnik der Technischen Universität München ein 3D-probabilistisches Baugrundmodell erstellt, das die Lithologie im Modellgebiet simuliert und eine Bewertung der Modellunsicherheiten hinsichtlich dieser ermöglicht. Am Beispiel der Planung einer Baugrube werden der Workflow zur Modellerstellung sowie die Vorteile der probabilistischen Baugrundmodellierung aufgezeigt.
2 Probabilistische Baugrundmodellierung
Grundlage für das Baugrundmodell stellen frei verfügbare Aufschlussdaten des Bayerischen Landesamts für Umwelt sowie weitere im Zuge des Projekts erstellte Bohrungen dar. Am TUM-ZG wurde von Wiegel et al. ein Ansatz zur Erstellung probabilistischer Baugrundmodelle entwickelt, der neben der Ermittlung des Baugrundaufbaus auch die Abschätzung der Auftretenswahrscheinlichkeit der Hauptbodenarten ermöglicht. Für die Modellierung wird das Modellgebiet in Voxel aufgeteilt. Die Ergebnisse können einerseits als 3D-Modell, andererseits in Form von extrahierten Schnitten für die Planung und die Ausführung zur Verfügung gestellt werden.
3 Anwendung der Ergebnisse
Im Ostabschnitt der 2.SBSS ist u.a. ein in offener Bauweise zu erstellender Tunnelabschnitt geplant. Für die Planung der Wasserhaltung sind die zuströmenden Grundwassermengen von maßgeblicher Bedeutung, die insbesondere von Verbindungen des quartären und des obersten tertiären Aquifers abhängen. Auf Grundlage der Ergebnisse der probabilistischen Baugrundmodellierung wurden mögliche Bereiche identifiziert, in denen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Fehlen der tertiären Tone zwischen den quartären Kiesen und den obersten tertiären Sanden besteht, die zu einer verstärkten Zuströmung in die Baugrube führen können. Die Ergebnisse der Baugrundmodellierung wurden mittels eines Pumpversuchs überprüft, dessen Ergebnisse wiederum zur Aktualisierung des Modells herangezogen wurden.
Geotechnik 4.0 - Vom digitalen Feld zur integrativen Baugrundmodellierung
Labenski, Johannes; Kötzel, Friedemann; Machleit, Edwin
GTU Mobility GmbH & Co. KG, Deutschland
Die Digitalisierung transformiert die geotechnische Erkundung fundamental – von der Datenerfassung im Gelände bis zur vollständigen 3D-Modellierung im BIM Kontext. Unser Beitrag präsentiert einen durchgängigen digitalen Workflow, der klassische Methoden mit modernen Technologien verbindet. Beginnend mit hochauflösenden Bild- und Videodaten aus 360°-Kameras und Drohnen, folgt die von uns entwickelte, versionierte und datenbankgestützte GIS-Erkundungsplanung mit automatisierter Planerstellung und revisionssicherer Genehmigungsnachverfolgung.
Die hierfür notwendigen Schnittstellen wurden vollständig im eigenen Haus programmiert, sodass nahtlose Integration und maximale Kontrolle über den Datenfluss gewährleistet sind.
Alle erhobenen Informationen werden zentral in einer selbst entwickelten Baugrunddatenbank abgelegt, die sowohl automatisierte Datenauswertung als auch individuell programmierte Schnittstellen bietet. Diese Architektur ermöglicht eine durchgängige Nutzung – von der Datenaufnahme bis zur projektspezifischen Verarbeitung – und gewährleistet höchste Flexibilität sowie langfristige Erweiterbarkeit. Auf dieser Basis entsteht ein vollwertiges Leapfrog-Modell, das den Baugrund in drei Dimensionen abbildet, geotechnische Analysen ermöglicht und als Grundlage für projektübergreifende Kommunikation und Planung dient. Selbst die Attribuierung im BIM erfolgt automatisiert auf Basis der Baugrunddatenbank.
Moderne GPT-Technologien erweitern diesen Workflow, indem sie Fachanwender befähigen, eigene digitale Werkzeuge oder komplette Datenbanken mit individuell gestaltetem Frontend zu entwickeln – auch ohne tiefgehende Programmierkenntnisse. So können Analyseprozesse und datenbasierte Workflows direkt im Fachbereich erstellt und angepasst werden, was die Digitalisierung in der Geotechnik beschleunigt und praxisnahe Lösungen ermöglicht.
Praxisbeispiele demonstrieren Effizienzsteigerung, Verbesserung der Datenqualität und erhöhte Transparenz – von der ersten Erkundung bis zur integrativen Modellierung. Dieser Ansatz definiert neue Standards für Qualitätssicherung und Nachvollziehbarkeit in der Geotechnik.
Digitalisierung von wiederholbaren Fachplanungsbeiträgen unter Nutzung neuronaler Netzwerke
Vollmert, Lars; Schmitt, Maija; Wilken, Yanek
Naue GmbH & Co. KG, Deutschland
Die Digitalisierung von Fachplanungsprozessen bietet insbesondere bei wiederholbaren Planungsaufgaben ein erhebliches Potenzial zur Effizienzsteigerung und Qualitätssicherung. Während digitale Werkzeuge bereits heute dazu beitragen, komplexe Entscheidungsprozesse zu strukturieren und zugänglich zu machen, eröffnet der Einsatz neuronaler Netzwerke eine neue Stufe der Automatisierung.
Ein zentraler Ansatz liegt in der Überführung analoger, hochgradig nichtlinearer Bemessungsgraphen in datengetriebene Modelle. Diese Graphen, die traditionell als Erfahrungswissen von Experten interpretiert werden, können durch neuronale Netzwerke approximiert und digital verfügbar gemacht werden. Dadurch wird implizites Fachwissen explizit, reproduzierbar und skalierbar. Insbesondere bei iterativen Dimensionierungs- und Nachweisprozessen ermöglicht dies eine erhebliche Beschleunigung sowie eine Reduktion von Interpretationsspielräumen.
Die Integration solcher Modelle in digitale Planungsplattformen führt zu einer stärkeren Vernetzung von Daten, Methoden und Akteuren. Dies entspricht dem übergeordneten Ziel, Planungsprozesse frühzeitig zu intensivieren, insbesondere auch im Hinblick auf die Berücksichtigung nachhatigkeitsrelevanter Planungsaspekte und Bilanzierungen und fundierte Entscheidungen auf Basis umfangreicher Daten zu treffen. Gleichzeitig wird die Grundlage geschaffen, komplexe Randbedingungen – etwa aus Nachhaltigkeit, Kosten und Funktion – systematisch zu berücksichtigen.
Neuronale Netzwerke fungieren dabei nicht als Ersatz für Ingenieurwissen, sondern als Erweiterung. Sie unterstützen insbesondere bei standardisierbaren, wiederkehrenden Aufgaben und schaffen Freiräume für die Bearbeitung individueller, projektspezifischer Fragestellungen. In Kombination mit bestehenden digitalen Architekturen entsteht so ein hybrider Planungsansatz, der Effizienz, Nachvollziehbarkeit und Innovationsfähigkeit gleichermaßen stärkt.
Nutzung neuer Potenziale durch Digitalisierung und Automatisierung im geotechnischen Projekt
Buß, Simon
GGU Zentrale Verwaltung GmbH, Deutschland
Die aktuelle Zeit ist für die Praktizierenden in der Geotechnik geprägt von Umwälzungen und Herausforderungen an verschiedenen Fronten: Fachkräftemangel, , Erwartungshaltung von insbesondere jungen neuen Kollegen an zeitgemäße Arbeitsweisen, Aufkommen von KI, geopolitische und daraus resultierend wirtschaftliche Spannungen, Marktkonsolidierungen und damit verbunden steigender Zeit- und Kostendruck etc.
Insbesondern in großen und organisationsübergreifenden Projekten, aber zunehmend auch in kleineren Vorhaben steigt die Erwartung an Kosten und Geschwindigkeit, gleichzeitig nimmt die Komplexität zu durch die Erfordernis in immer neuen digitalen Formaten Ergebnisse zu übergeben.
Die Harmonisierung der anfallenden Daten und Verzahnung und Automatisierung der Teilprozesse bietet hier ein großes Potenzial, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
GGU Software stellt mit GGU-CONNECT ein Werkzeug bereit, um die unterschiedlichen Projektabläufe digital effizient zu verzahnen. In diesem Vortrag werden die aktuellen Entwicklungen rund um mobile Anwendungsfälle und die sichere Integration künstlicher Intelligenz vorgestellt.
Von der Bodenansprache bis zur Planung – Ein vollständig digitaler Workflow in der Geotechnik
Stille, Benedikt; Oellers, Dominik; Rollbühler, Stephan
CDM Smith SE, Deutschland
Während der Entstehung von geotechnischen Projekten werden – beginnend bei der Erkundung, über die Planung, bis hin zur Bauausführung und dem Monitoring – große Mengen an heterogenen Daten erzeugt. Dazu zählen Erkundungsergebnisse, Laborversuche, In-situ-Messungen, geophysikalische Daten sowie Berichte, Modelle und Bemessungsergebnisse inkl. rechnerische Nachweise. Ein durchgängiges Datenmanagement sowie effiziente digitale Workflows gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung.
Das Handling der in vielen verschiedenen Formaten vorliegenden Informationen stellt oftmals eine große Herausforderung dar. Neben der konsistenten und vollständigen Eingabe in die bestehenden Datenbanksysteme, spielt die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung zunehmend eine wesentliche Rolle. Ziel ist es daher, alle Daten möglichst zeitnah in auswertbarer Form für Berichte und weitere Planungsprozesse bereitzustellen.
Zur Prozessoptimierung nutzt CDM Smith SE unter anderem eine eigens entwickelte Feld-App, die einen durchgängig digitalen Workflow der geotechnischen Bearbeitung ermöglicht. Die digital aufgenommenen Felddaten werden unmittelbar nach der Eingabe und Qualitätssicherung über eine Datenbank für die weitere Bearbeitung zur Verfügung gestellt.
Für die Erstellung des BIM-Fachmodells Baugrund wird ein Großteil der erforderlichen Informationen unmittelbar aus der Datenbank bezogen. Eine direkte Schnittstelle zur Modellierungssoftware stellt dabei sicher, dass Übertragungsfehler vermieden werden und der Prozess der Modellierung und Attribuierung möglichst effizient ablaufen. Das Baugrundmodell lässt sich mit geringem Bearbeitungsaufwand in weitere Softwareumgebungen der nachfolgenden Planung überführen.
Dieser vollständig digitale Prozess erhöht die Effizienz, verbessert die Datenqualität und stellt damit einen zentralen Erfolgsfaktor für die Durchführung komplexer Bauprojekte dar.